Eine Woche in Kachetien

 

Textfeld:  Reisetagebuch eines einwöchigen Aufenthalts in der westgeorgischen Region Kacheti, die bekannt ist für ihren Weinbau und ihre Zeugnisse alter christlicher Kultur, vom August/September 2001. Fragen, Kommentare, Anregungen und Kritik an frank.neubuser@gmx.de.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tbilissi – Telawi 1

Weinprobe in Tsinandali 2

Dietmar fährt nach Hause und ich nach Kwareli 4

Weinprobe bei GWS und die Akademie von Ikalto. 7

Alawerdi und ein musikalisches Gastmahl 9

Zurück nach Tbilissi über Signachi 11

Links und weitere Informationen. 12

 


Tbilissi – Telawi

 

Morgens um elf brechen wir aus Tbilissi auf, um über den Gombori-Paß Telawi zu erreichen. Das verspricht eine eher holprige Fahrt von gut drei bis fünf Stunden zu werden, denn die Straße über den Gombori-Paß ist nicht immer so gut befestigt, dass man sie problemlos passieren kann. Es gibt zwar auch eine Schnellstraße, die von Tbilissi aus über Sighnachi, das Gombori-Gebirge umgehend, nach Telawi führt und die von größeren Bussen, LKW und Marschrutkas genommen wird, dafür aber fast doppelt so lang ist. Wir ziehen die unbefestigte, aber landschaftlich schönere Route über den Paß vor, zumal wir seit einigen Wochen unser Sitzfleisch in einem harten, aber robusten UAS-Jeep sowjetischer Bauart gestählt haben, für den auch dies kein Problem sein wird.

 

Telawi begrüßt uns als unauffälliges, verträumtes Kleinstädtchen. Das städtische Leben spielt sich rund um ein Carrée ab, das sich zwischen dem Hauptplatz und dem Busbahnhof aufspannt und an dem sich einige kleine Geschäfte, Cafés und der Bauernmarkt befinden. Sehr übersichtlich. Aber wir haben ja Ruhe gesucht, die Hektik der Hauptstadt hätten wir anderswo haben können...

Nennenswert ist die Burg, die ein kleines städtisches Museum beherbergt, und vor der ein Denkmal des letzten georgischen Königs Irakli II an eine goldene Epoche der georgischen Geschichte erinnert – bevor das Königreich 1801 von Rußland annektiert wurde, das es erst 1991 wieder in die Unabhängigkeit entließ.

 

Wir lernen erst einmal unsere Gastgeber kennen, Neli und Malchas, die in der Nähe des Zentrums eine Privatpension betreiben. Da sie zur Zeit keine weiteren Gäste haben – das wird sich im Laufe der Woche noch ändern – haben wir eine ziemlich gute Auswahl zwischen großzügig bemessenen Zimmern, mit Balkon zum Nachbarn. Wenn man jetzt Georgisch verstünde...

                                                                       

An der Wohnzimmerwand bemerken wir einen Kalender aus Biberach mit Ansichten aus dem Allgäu, das erste einer ganzen Reihe von Anzeichen dafür, daß es eine recht rege Städtepartnerschaft zwischen Biberach und Telawi gibt.

Zum Abendessen , bei ein paar georgischen Leckereien („ein paar“ bedeutet immer, daß jeder Quadratzentimeter des Tisches vollgestellt ist) und kachetischem Hauswein, unterhalten wir uns mit Händen und Füssen, auf Russisch und Deutsch – über Gott und die Welt, Georgien und die Kinder unserer Gastgeber, die in der Fremde ihr Glück suchen und von ihren Eltern vermißt werden.

 

Weinprobe in Tsinandali

 

Ein neuer Tag, die Sonne scheint, und schon früh am Morgen hört man die Rufe der Milchfrauen, die mit „Mazoooni! Mazooooni!“ ihren hausgemachten Joghurt anpreisen. Den bekommen auch wir zum Frühstück, ganz frisch und lecker. Joghurt gehört zu den Grundnahrungsmitteln in Georgien, und es hält sich der Glaube, daß er für die Langlebigkeit der Kaukasier mitverantwortlich sei. Ich glaub’s und esse ihn jeden Tag. Meine Suche nach Kefir allerdings, von dem die deutsche Werbung behauptet, daß er „nach kaukasischem Originalrezept“ hergestellt sei, hat keinen Erfolg – von Kefir hat hier noch niemand etwas gehört, und ich kann ihn auch auf dem Wochenmarkt nicht finden. Habe ich was falsch gemacht? Gibt’s ihn vielleicht nur in Armenien, Aserbaidschan oder Nord-Ossetien? Oder hat ihn die deutsche Werbung erfunden?

 

Nach dem Frühstück machen wir einen Spaziergang durch die Stadt, besichtigen die Burgmauer – leider nur von außen, denn das Museum drinnen hat gerade geschlossen, wie leider allzuoft, auch sonntags. Immerhin, die Burg ist gut erhalten und zeugt vom Einfluß ihrer Bewohner, der ostgeorgischen Könige, im Mittelalter.

Hinter der Burg, gegenüber des Königsdenkmals, befindet sich das Intourist-Hotel, dem heute größere Bedeutung zukommt, denn in ihm sind zur Zeit Vertriebene aus Abchasien untergebracht. Aus der abtrünnigen Provinz an der Schwarzmeerküste im Nordwesten Georgien wurden im Laufe der neunziger Jahre große Teile der georgischen Bevölkerungsmehrheit von aufständischen Abchasen und russischem Militär vertrieben, die hier und in anderen größeren Städten behelfsmäßig in Hotels und Notunterkünften untergebracht wurden. Noch immer zeichnet sich keine Lösung des Konflikts oder eine Rückkehr der Vertriebenen in ihre Heimat ab, aber die Solidarität ihrer Landsleute ist den Flüchtlingen vorerst sicher.

Die wenigen Geschäfte entlang der Hauptstraße (man kann sie auf zwei reduzieren) sind schnell durchstöbert auf der Suche nach Mitbringseln. Im größten, dem „Limbo“, einem Haushaltswaren­geschäft mit westlichem Angebot, werden wir nach schon einem Satz gefragt, ob wir Deutsche seien (soviel zu meiner russischen Aussprache) – dann könne uns nämlich die Verkäuferin aus der Spielwarenabteilung weiterhelfen. Tatsächlich, die junge Frau hat bereits ein Jahr als Au-Pair in Deutschland verbracht (was hier bemerkenswert viele Mädchen tun) und spricht gut Deutsch. Wo sie das gelernt hat? In Biberach, natürlich.

 

Wir fahren mit einer Marschrutka nach Tsinandali, einem kleinen Weindorf ganz in der Nähe, das über Georgien hinaus (bisher vor allem in Osteuropa) für seinen Wein bekannt ist. Es ist ziemlich heiß, mal sehen, wieviele Weinproben wir vertragen werden! An der Hauptstraße in Tsinandali liegt das ehemalige Gut der Tschawtschawadses, einer im 19. Jahrhundert bekannten und einflußreichen georgischen Familie. Rund um das Gut erstreckt sich ein Park, oder besser ein botanischer Garten, durch den Führungen angeboten werden. Hinter dem Park, im gleichen Gut, befindet sich der größte Weinkeller des Ortes. Wir müssen erst Karten für den Park lösen – für den wir dann aber eine individuelle Führung bekommen – bevor wir in den Weinkeller hinein dürfen. Immerhin begleiten uns zwei fachlich gut ausgebildete Biologen, die uns zu jedem Baum etwas erzählen können.

 

Der Weinkeller von Tsinandali ist ausgelegt für größere touristische Veranstaltungen, offenbar wird auf den ausladenden Eichentischen im schummrigen Keller den Pauschaltouristen auch gleich das Essen dazu serviert. Atmosphäre bietet er ja, von der „Weinprobe“ mit zwei einfachen Hausweinen (einmal weiß und einmal rot) bin ich als fortgeschrittener Wein-Laie aber doch enttäuscht: bei aller Rebenvielfalt in Kachetien, bei den vielfältigen Anbau-, Ausbau- und Lagerungsmethoden, bei der bis zu 8000-jährigen georgischen Weinbautradition soll dies hier einen auch nur annähernd angemessenen Eindruck kachetischen Weinbaus bieten? Gibt es eine Führung durch die Anlagen mit dem Kellermeister? Nein, also nichts wie weg von hier – obwohl die Herren für die „Weinprobe“ nochmal einen der Gelegenheit nicht angemessenen Obolus verlangen.

 

Nächster Versuch: wir sind ja noch nicht am Ende des Dorfes angekommen... es soll hier eine weitere renommierte „Winsawod“, eine „Weinfabrik“, geben. Wir gehen einfach mal über die Straße und fragen eine alte Frau, die uns auch gleich die Abkürzung dorthin zeigt. Wir helfen ihr die Einkaufstasche voller Obst und Gemüse tragen, dafür erzählt sie uns vom beschwerlichen Leben, das Abchasien-Vertriebene wie sie fern der Heimat heute führten. Sie führt uns ein paar Feldwege hinunter, dorthin, wo sie offenbar auch wohnt und wo uns die Gegend schon nicht mehr ganz geheuer ist. Aber eine alte Frau von über 60 wird sich doch nicht erdreisten, zwei noch ganz junge Männer Anfang 30 zu überfallen? Nein, an einer ganz passabel aussehenden hölzernen Datscha, die sie sich mit ihrer großen Familie teilt, trennt sie sich von uns und beschreibt uns den weiteren Weg, der über einen Trampelpfad durch einen Durchbruch in einem Maschendrahtzaun führt und auf der Rückseite eines Fabrikgeländes endet.

 

Hier befindet sich der Weinhersteller „Teliani Valley“. Auf dem Hof ist niemand zu sehen, also schauen wir durch eine halboffene Tür einmal in das Gebäude hinein. Ein paar Treppen herauf, einen dunklen Flur entlang (ob heute Ruhetag ist?), und schon befinden wir uns unversehens im Labor des Winzers. Man kann nicht sagen, daß die zwei oder drei Chemiker und Önologen, die hier ihrer Arbeit nachgehen, mit uns gerechnet hätten. Umso dankbarer sind wir, daß wir freundlich begrüßt und umstandslos hineingebeten werden. In diesem Teil des Gebäudes werden die Proben des jungen Weins labortechnisch untersucht. Es sieht zwar aus wie auf meinem Schreibtisch zuhause, aber das ist ja nur ein Zeichen dafür, daß hier gearbeitet wird. Bereitwillig geben die Mitarbeiter Auskunft über die Weinherstellung und bieten uns dann sogar an, mit dem leitenden Önologen eine Führung durch den Betrieb mit anschließender Weinprobe zu machen.

Giorgi begrüßt uns auf Englisch, was nicht verwundert, da er eine Weinbau-Ausbildung in Kalifornien absolviert hat. Wir schauen uns gemeinsam die Produktion, den Weinkeller, die Abfüllanlage und das Flaschenlager an. Der Wein wird in großen Stahltanks gelagert – Eichenfässer habe ich bei den größeren Herstellern (noch) nicht angetroffen. Früher war es durchaus üblich, den Rotwein, wie in vielen westeuropäischen Anbaugebieten auch, für eine Zeit lang in Eichenfässern zu lagern, um ihm einen „Holzton“ (Tannine für die nötige Schwere) zu verpassen; in den letzten Jahren sei das erst einmal nicht möglich gewesen, erklärt uns Giorgi, da die Fässer in den Wirren der Unabhängigkeit entweder zerstört oder verkauft worden waren. Man denke aber daran, künftig wieder Eichenfaß-Lagerung einzusetzen.

 

Die Abfüllanlage ist ganz neu, erzählt Giorgi mit einigem Stolz (schließlich ist das eine größere Investition), denn zu Sowjetzeiten wurden die Flaschen von Betrieben aus anderen Republiken geliefert, mit denen die Geschäftsbeziehungen seit dem Zerfall der Sowjetunion offenbar schwieriger geworden sind (das entsprach der sowjetischen Wirtschaftspolitik des faktischen ‚divide et impera‘ – industrielle Verfahren wurden weiträumig verteilt, um unauflösbare Abhängigkeiten zu schaffen). Mit der neuen Abfüllanlage westlicher Bauart steht die Weinproduktion und –vermarktung nun auf eigenen Füssen. Die schlanken, hohen Bordeaux-Flaschen mit elegantem Aufdruck vermitteln den Qualitätsanspruch.

 

Bei einer kleinen Weinprobe bekommen wir verschiedene Rot- und Weißweine aus eigener Produktion zu schmecken; darunter ein halbtrockener Weißwein aus der hier sehr verbreiteten Rkatsiteli-Traube (die weiße Hauptrebsorte, aus der auch viele Familien ihren Hauswein bereiten), einen trockenen „Alasani“-Rotwein aus der Saperavi-Traube (die beste rote Rebsorte weit und breit, aus der man einen tiefdunklen, schweren Wein bereitet und die meiner Ansicht nach noch einiges Potential bietet), und zwei halbsüsse rote Dessertweine, einen „Kindzmarauli“ (Saperavi) aus kachetischen Trauben und einen „Khvantchkara“ (Alexandreuli, Mudzhuretuli) aus westgeorgischem Anbau, die ihre Süsse durch die Beigabe von konzentriertem Traubenmost (Kindzmarauli) bzw. durch den vorzeitigen Abbruch der Gärung (Khvantchkara) bekommen. Besonders der Letztere, mit seinem ausgeprägten Beerenaroma, ist nach wie vor mein persönlicher georgischer Favorit.

 

Die Weine sind übrigens oft nach den Anbauorten oder –regionen benannt (wie bei uns in Westeuropa auch: z.B. „Kindzmarauli“), gelegentlich auch nach den verwendeten Rebsorten (z.B. „Saperavi“, ähnlich wie bei Überseeweinen aus USA, Chile oder Australien). Eine einheitliche Methodik scheint sich noch nicht durchgesetzt zu haben, auch habe ich noch kein Wort gehört von einem System klassifizierter geografischer Anbaugebiete (QbA, AOC, DOC). Es gibt noch Einiges zu tun im georgischen Weinbau, und die Verkostung bei „Teliani Valley“ überzeugt mich davon, daß es sich lohnen wird. Wir verabschieden uns von Giorgi und bedanken uns für die engagierte Führung.

 

Zurück auf dem Hof, bietet uns freundlicherweise ein Kollege des Önologen eine Mitfahrgelegenheit zur Ortsmitte an. So ein Glück, dann müssen wir auch nicht die „Abkürzung“ zurücklaufen! Wir steigen in einen alten Moskwitsch, der aber überraschenderweise nicht von dem Mann selbst gesteuert wird – sondern von seinem Enkel. Zehn Jahre sei er alt, erzählt er uns bereitwillig, wenn wir uns von den Rücksitzen nach vorne beugen, denn sonst sehen wir den kleinen Kerl ja gar nicht. Das richtige Alter fürs Autofahren scheint in Georgien dann erreicht zu sein, wenn man geradeaus durch die Windschutzscheibe gucken kann. Immerhin fährt er den Wagen trotz unserer anfänglichen Zweifel absolut zuverlässig und vertrauens­erweckend, besser jedenfalls als mein Bruder zuhause (und der hat einen Führerschein)...

An der Hauptstraße warten wir in der Nachmittags­hitze auf die nächste Marschrutka zurück nach Telawi. Immerhin haben wir ja jetzt zwei Kisten Wein, auf denen wir Platz nehmen können.

 

Eine Flasche werden wir abends gleich wieder los, denn Neli und Malchas haben Hochzeitstag. Sie erzählen uns von der Stimmung im Land; jeder Georgier hat offenbar ein besonderes rhetorisches Talent, Korruption, Mißwirtschaft und Schlendrian anzuprangern und die Regierung dafür verantwortlich zu machen. Aber das ist ein ganz allgemeines Thema, auch ein beliebter Einstieg zum Smalltalk, weil über die Schlechtigkeit der Regierenden natürlich allgemeines Einverständnis besteht. Unsere Gastgeber zeigen uns auch Bilder von ihren Kindern, die alle eine gute Ausbildung bekommen haben und auf eigenen Füssen stehen. Der Jüngste hat sein Jura-Studium in Tbilissi mit einem Einserdiplom abgeschlossen; Arbeit gibt es in diesem Beruf, nach den Umbrüchen des letzten Jahrzehnts, allerdings nicht, und so entschloß er sich, ins westliche Ausland zu gehen und fürs Erste in einer Fabrik zu arbeiten (statt zuhause auf den Nägeln zu kauen). Schade, daß das Land auch den Gutwilligen und Begabten nicht ohne Weiteres eine Zukunft bieten kann. Neli erzählt das mit einer Spur von Trauer und Scham; als ob sie sich dafür schämen müsste, daß ihr Sohn allen Widrigkeiten trotzt und den Willen zeigt, trotzdem etwas zu erreichen.

 

Der Unternehmungsgeist scheint in der Familie zu liegen. Es wird schnell klar, daß unsere Gastgeber nichts anbrennen lassen, die ganze Zeit wird organisiert, erledigt, Essen gemacht, das Haus in Ordnung gehalten. Auch die Großmutter hilft. Malchas bringt die Regenwasser-Auffanganlage auf dem Dach in Ordnung, um von der unsicheren städtischen Versorgung halbwegs unabhängig zu sein.

 

Dietmar fährt nach Hause und ich nach Kwareli

 

Heute wird Dietmar nach Hause aufbrechen, während ich noch ein paar Tage Zeit habe. Morgens um zehn gehen wir zum Busbahnhof und halten Ausschau nach einem Bus oder einer Marschrutka, der oder die nach Tbilissi fährt. Tatsächlich finden wir eine Marschrutka, die allerdings noch unbesetzt ist. Auf unsere Frage, wann er denn losfahren wolle, antwortet der Fahrer „Gleich, in zehn Minuten“. Es werden lange zehn Minuten, aber wir haben es ja nicht eilig. Naja, Dietmar wollte sich eigentlich noch etwas von Tbilissi anschauen... Gegen zwölf verabschieden wir uns, und ich winke noch einmal hinterher.

Was macht man mit dem angefangenen Tag? Man setzt sich in die nächste Marschrutka in die entgegengesetzte Richtung und macht einen kleinen Tagesausflug, das Wetter bietet sich ja für eine kleine Wanderung an. Ich schaue, wohin die verschiedenen Marschrutkas fahren – das ist nicht ganz einfach, denn die Beschriftungen sind ausschließlich in georgischer Schrift, aber dann gelingt es mir doch, im Schneckentempo, dank der in den letzten Wochen erreichten Übung, die Aufschriften zu entziffern, bevor der Bus abgefahren ist – und entscheide mich für Kwareli, einen kleinen Ort, der eine dreiviertel Stunde Wegs durch das Alasani-Tal liegt und einige Sehenswürdigkeiten bieten soll.

 

Am Ortseingang von Kwareli steigen die letzten Passagiere aus: Endstation. Ich befinde mich am Hauptplatz, an dem die Hauptstraße durch den Ort verläuft; eine von großen, alten Bäumen mit ausladendem Dach gesäumte Dorfstraße ohne nennenswerten Autoverkehr. Dem ist auch zu verdanken, daß es so angenehm still ist. Die sengende Mittagshitze wird durch das Blätterdach, das nur einzelne Lichtflecken durchläßt, und einen sanften Wind abgemildert; am Straßenrand sitzen Gruppen von Männern im orientalischen Sitz (ohne Stuhl) und spielen Nardi (Backgammon), auf der Straße spielen Kinder, ein Händler entspannt sich auf einem Stuhl vor seinem Gemüseladen, einkaufende Frauen halten ein Schwätzchen – Kwareli ist ein Wohnzimmer auf der Straße. Ich kann mich an wenige Augenblicke erinnern, die eine solche Harmonie und Ruhe ausgestrahlt haben. Und ich schlendere mittendurch.

 

Ich geselle mich zu einer Gruppe Nardi-spielender Männer, grüße sie zurückhaltend und schaue ihnen eine Weile zu. Es ist auch zu schön, um sich mit irgendetwas zu beeilen. Die Männer sind wohl anfangs über das Interesse des Gringos verwundert, fragen mich dann aber höflich, woher ich denn käme. Mein Interesse für ihr Spiel wahrnehmend, fragen sie mich, ob ich das Spiel denn auch kenne. Ich kann sie davon überzeugen, daß man weder Georgier sein noch Georgisch sprechen muß, um Backgammon spielen zu können, und habe sogar einige Übung darin. Nach einem netten Spielchen überlasse ich sie wieder ihrem Turnier (verloren habe ich natürlich trotzdem).

 

 

In Kwareli befindet sich das Geburtshaus des Schriftstellers Ilja Tschawtschawadse (übrigens nicht verwandt mit den Tschawtschawadses aus Tsinandali). Bei uns zwar so gut wie nicht bekannt, ist Tschawtschawadse in Georgien ein Heiliger – und das wortwörtlich! Er gehörte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Gruppe georgischer Intellektueller, die in Mitteleuropa (in Rußland und in Deutschland) studierten und von dort neue Ideen des Liberalismus und der Reform mitbrachten. Für seine Verdienste um die georgische Literatur und Gesellschaft sprach ihn der georgische Patriarch heilig; in mancher Kirche findet man Ikonen mit seinem Bild.

Tschawtschawadses Geburtshaus ist ein Wehrturm, wie man sie noch in einigen Orten sieht, mit einem angeschlossenen Museum. Der Berühmtheit des Schriftstellers ist es zu verdanken, daß das Anwesen im Originalzustand erhalten blieb. Das Museum ist ziemlich leer, aber trotzdem bemüht die Wärterin sich extra, eine Führerin nur für mich zu besorgen; die deutschsprechende sei leider heute nicht zuhause (früher seien oft Reisegruppen aus der DDR gekommen), aber ich erkläre mich auch mit einer russischsprechenden einverstanden (Übung macht den Meister).

Das Museum enthält viele Fotos und Artefakte aus Tschawtschawadses Leben und wirkt ein bißchen wie ein Schrein. Man erkennt stellenweise noch die unleidlichen Versuche der kommunistischen Machthaber, Tschawtschawadses Leben und Wirken in einen bolschewistisch-politischen Kontext zu pressen; aber auch das gehört zur Geschichte des Landes und bietet mir, über das Interesse an dem Schriftsteller hinaus, eine praktische Anschauung des wechselnden gesellschaftlichen Umgangs mit historischen Persönlichkeiten in der jüngeren Vergangenheit.

Leider kann ich mit der Hauptfigur der Handlung überhaupt nichts anfangen und muß mir vornehmen, in Zukunft einmal eine deutsche Übersetzung eines seiner Werke zu lesen. Der Wohn- und Wehrturm, in dem der Schriftsteller Anfang des 19. Jahrhunderts geboren wurde, erfüllte seinen Zweck schon gleich am ersten Tag des Meisters` Existenz, denn in diesen Tagen hatten Bergnomaden das Dorf überfallen und die Familien, die sich in die Wehrtürme zurückgezogen hatten, belagert. Die Tschawtschawadses haben ihren Turm mit Erfolg verteidigt.

 

Sehenswert für mich als Weinliebhaber ist der dem Haus angeschlossene Marani (Weinkeller) der Familie, der heute bedauerlicherweise nicht mehr in Verwendung ist. Besser, man betritt den Marani mit ausreichender Beleuchtung, denn der Wein wird, wie traditionell in Georgien noch oft üblich, nicht in Fässern gelagert, sondern in unterirdischen Tonamphoren (Kwewris), die ebenerdig mit Schieferplatten abgedeckt sind. Und wenn mal einer der Deckel nicht an seinem Platz sein sollte, liefe man Gefahr, in ein schwarzes Loch zu fallen – ein sehr tiefes schwarzes Loch, denn der größte der Kwewris in diesem Marani soll bis zu 2700 Liter Wein fassen... ich male mir aus, daß das Ertrinken in einem riesigen Kwewri der schönste denkbare Tod sein muß. Vielleicht liegen dort unten ja noch die Knochen einiger räuberischer Nomaden, und die Eroberung des Weinkellers war der wirkliche Grund, warum die Tschawtschawadses damals in ihrem Wehrturm durchgehalten haben.

 

Ich will mich bei meiner Führerin für die aufmerksame und engagierte Museumsschau mit einer Aufmerksamkeit bedanken, immerhin ist sie ja extra gekommen, um mir das Museum zu zeigen. Nein, nein, winkt sie entschieden ab, das habe sie nicht für Geld gemacht, es sei ihr ja eine Freude, wenn ein deutscher Besucher sich so für ihr Museum interessiere! Ich ertappe mich bei dem schlechten Gedanken, daß doch sonst immer viel Aufhebens um einen ausländischen Besucher gemacht wird, weil man sich vermutlich etwas davon verspricht. Hier allerdings hilft auch ein weiteres, unaufdringliches (weder zu kleines noch zu großes) Angebot nichts – die Führerin verabschiedet sich freundlich lachend von mir, ich bin beeindruckt, etwas ratlos und beschämt von meiner eigenen Einstellung, nehme mir allerdings vor, demnächst einer hilfsbedürftigen Babuschka einen Gefallen zu tun.

 

Es ist später Nachmittag geworden und Zeit, zurückzukehren. Da der Tag aber so schön ist und ich keine Lust habe, ihn mit einer holprigen Autofahrt zu verschwenden, nehme ich mir vor, einen Teil des Wegs zu Fuß zu gehen und irgendwann einer Marschrutka nach Telawi zuzusteigen, es gibt ja genug davon.

Also gehe ich und gehe ich und gehe ich... über eine Stunde lang. Es sind zwischendurch einige wenige Marschrutkas durchgefahren, aber sie waren alle vollbesetzt und haben auf mein Winken nicht angehalten. Wenn ich jetzt nicht bald eine Mitfahrgelegenheit finde, komme ich zu spät zum Abendessen (und das wäre in Georgien bedauerlich). Endlich hält ein Kleinbus an, der sich allerdings nicht als Marschrutka entpuppt, sondern als mobiler Sozialdienst einer benachbarten Gemeinde. Gia, der Fahrer, erzählt mir in gebrochenem Deutsch, daß sie den Bus vor einem oder zwei Jahren als Sachspende einer deutschen evangelischen Kirchengemeinde erhalten haben, und daß er jetzt unter anderem dazu genutzt würde, alte Leute für Besorgungen durch die Gegend zu fahren. Davon kann ich mich überzeugen, denn mit mir fahren einige freundliche Rentnerinnen mit Einkaufstaschen, die für den Gringo gerne ein bißchen zusammenrücken.

Die Fahrt ist nur kurz, denn auf etwa halbem Wege nach Telawi, bei Eniseli, muß Gia abbiegen, um die Leute nach Hause zu bringen. Allerdings lädt er mich spontan ein, doch zu einem Besuch seiner Familie mitzu­kommen, ein großzügiges Angebot, daß ich ablehnen muß, denn dann käme ich, wenn überhaupt, nicht mehr vor dem späten Abend nach Telawi zurück, und meine Gastgeber würden vermutlich die Miliz in Bewegung setzen.

Eniseli ist ein guter Ort für eine Rast, denn einer der bekanntesten georgischen Cognacs trägt den Ortsnamen. Ich vermute, daß irgendwo in der Nähe die Distillerie liegen muß, werde aber nicht fündig; hier wie in Gremi, ein Stückchen weiter die Straße entlang, sagt man mir, daß die Distillerien ihre Arbeit eingestellt haben. Woher kommt dann der „Gremi“-Cognac, den ich vor meiner Abreise in Tbilissi gekauft habe?

 

Bei Gremi thront eine kleine Wehrkirche über der Straße, die den Besuch lohnt. Das Innere ist sehr atmosphärisch mit goldenen Ikonen ausgeschmückt und bietet bei der Hitze zudem eine kühle Zuflucht. Ich zünde eine Kerze für meine kranke Mutter an, wie im Übrigen in jeder Kirche, die ich Georgien besucht habe.

Kaum aus der Kirche heraus und zurück auf der Straße, fährt mir eine Marschrutka mit einem freien Plätzchen über den Weg. Ob mein spätes Glück auf den Kirchenbesuch zurückzuführen ist?

 

Seit Neuerem befindet sich übrigens eine Winzerei kurz hinter Gremi, die von dem Moselwinzer Peter Mertes, einem der größten deutschen Weinhändler in Osteuropa, gekauft und modernisiert wurde. Davon wußte ich allerdings zur Zeit meines Besuchs noch nichts, sonst hätte ich sie sicher nicht ausgelassen.

 

 

Weinprobe bei GWS und die Akademie von Ikalto

 

Heute hat sich bei Neli und Malchas eine größere deutsche Touristengruppe angesagt. Ich ziehe um – und zwar, da wird kein Federlesens gemacht, in ihr Schlafzimmer; jeder Widerstand ist zwecklos.

 

Bevor der Rummel losbricht, mache ich mich aus dem Staub, um erst einmal in einem Café am Markt Pläne für den Tag zu schmieden. So weit komme ich aber gar nicht erst – kaum bin ich um die Ecke gebogen, bremst auf der Hauptstraße ein Zhiguli scharf, und der Fahrer ruft mir zu. Aus dem Fenster winkt Giorgi, der freundliche Kellermeister von „Teliani Valley“, der heute gerade mitsamt seiner Familie Einkäufe auf dem Markt besorgen will. Er ist genauso überrascht, mich hier zu treffen, wie umgekehrt, aber nach einer kurzen Einladung zwänge ich mich auf den Rücksitz (auf dem schon fast ein halbes Dutzend weiterer Personen Platz genommen haben) und fahre ein Stück mit.

Was ich denn vorhabe, fragt Giorgi. Da wir gerade beim Wein sind, komme ich auf die Idee, auch die anderen hier in Telawi ansässigen Winzereien zu besuchen; GWS, einer der größten georgischen Produzenten überhaupt, befindet sich gerade ein Stück die Straße herunter.

Kaum hat Giorgi von meiner Absicht gehört, bietet er mir an, mich dort abzusetzen; er würde außerdem den Kellermeister kennen und könne mir vielleicht weiterhelfen! Am Produktionsstandort von GWS, einer großen, abgeschlossenen Anlage mit einem Pförtnerhäuschen vor dem Tor, steigt Giorgi aus, spricht kurz mit dem Pförtner, macht einen Anruf, und ein paar Minuten später werde ich von einer freundlichen, englischsprechenden jungen Dame abgeholt.

Scheinbar hat Giorgi mich als Geschäftskunden eingeführt – im Verwaltungsgebäude übergibt mich die Sekretärin den beiden verantwortlichen Kellermeistern, einem Georgier und einem Franzosen, zu einer individuellen Führung durch die Anlage.

 

GWS steht für „Georgian Wine and Spirits“ ist ist einer der größten kommerziellen Weinhersteller Georgiens. Vor nicht allzulanger Zeit hat sich damit die französische Mutterfirma Pernod-Ricard fest auf dem georgischen, und damit osteuropäischen Markt etabliert. Man spürt die Unterstützung des westeuropäischen Investors: nennenswerte Investitionen wurden in die Traubenpresse, das Kühlsystem und die Flaschenabfüllung gemacht, alles in topmodernem Zustand und für größere Produktionsmengen ausgelegt. GWS arbeitet expansiv in den osteuropäischen Märkten, beabsichtigt aber wohl auch, ein Standbein in Westeuropa zu finden; zu meinem Bedauern wird das wohl nicht in Deutschland sein, denn der deutsche Markt sei bereits jetzt von ausländischen Weinen überlaufen, die Konkurrenz sehr groß. Da erscheinen der britische oder der holländische Markt offenbar attraktiver.

 

Im Weiteren bekomme ich Gelegenheit, einige Rot- und Weißweine des jüngsten Jahrgangs der „Tamada“-Serie von GWS zu verkosten. Einige der trockenen Rotweine werden aus der Saperavi-Traube hergestellt, die GWS vor allem in dieser Gegend in großem Stil von den Weinbauern aufkauft. Es gebe aber immer noch ein zu kleines Angebot, der Bedarf an roten Trauben sei größer als die Anbaumenge. Das ist, so vermute ich, auch der Grund, warum die lokalen Bauern meist Weißwein aus Rkatsiteli bereiten – ihre Saperavi-Ernte können sie gewinnbringender an Großproduzenten wie GWS verkaufen.

Der Saperavi-Wein ist hierzulande begehrt, manchmal nennt man ihn, seiner tiefdunklen Farbe wegen, „schwarzen Wein“; einmal hörte ich davon, daß er von alten Leuten zur Förderung des allgemeinen Wohlbefindens geschätzt wird. Das paßt ja ganz mit den neueren Erkenntnissen der Wissenschaft zusammen, die die gesundheitsfördernde Wirkung gerbstoff- und tanninreicher Rotweine belegen.

Allerdings gelangt der Holzton auch hier noch nicht durch Barrique-Ausbau in den Wein. Man beabsichtige aber, ersatzweise Eichenchips zu verwenden; bei dieser Technik, die in Frankreich und einigen anderen Ländern erlaubt, wenngleich umstritten ist, werden Eichenspäne in das Stahlfaß gegeben, um dadurch den typischen Holz- und Tanninton in den Wein zu bekommen. Einerseits ist das Ergebnis das Gleiche wie beim Barrique-Ausbau, andererseits würde man sich wünschen, daß die Tradition gewahrt bliebe.

Die Kellermeister weihen mich bei einer kurzen, aber feuchten Begehung in die Herausforderungen der Weinbereitung hierzulande ein. In der Sowjetunion war es üblich, Weine viel mehr zu schwefeln als andernorts. Die Beigabe von Schwefeldioxid ist eine weltweit gebräuchliche Methode zur Vermeidung schädlicher Bakterienkulturen im Wein sowie zur Verbesserung der Lagerfähigkeit; zuviel des Guten führt allerdings zu Weinfehlern. In der EU und anderen Staaten ist die Menge des Schwefelzusatzes per Gesetz begrenzt, und die Nicht-Übereinstimmung dieser und anderer Regeln und Gesetze mag einer der Gründe dafür sein, warum es der georgische Wein so schwer auf internationalen Märkten hat: noch immer sind die meisten georgischen Rebsorten und Weine bei uns lebensmittelrechtlich nicht zugelassen. Abhilfe wird in Zukunft ein staatliches Lebensmittellabor bringen, das nicht zuletzt auf Betreiben der Weinerzeuger im nächsten Jahr (2002) entstehen soll. Übrigens unter maßgeblicher Beteilung des deutschen TÜV-Nord.

Natürlich nehme ich zum Schluß noch ein paar Flaschen mit, man weiß nie, wo man den guten Tropfen wieder findet – denn leider hat in Telawi zu dieser Zeit kein einziges Geschäft eine überzeugende Weinauswahl.

Als ob die fachkundige Führung noch nicht genug wäre, organisiert die mich hinausbegleitende Sekretärin einen Firmenbus, der mich bis vor die Haustüre fährt. Wenn es irgendwo eine Servicewüste geben sollte, kann sie von hier noch viel lernen!

 

Die erste Weinprobe ist absolviert, und es ist gerade erst mal halb zwölf – Zeit für ein Mittagsschläfchen! Danach mache ich mich wieder auf den Weg, um diesmal die Akademie von Ikalto zu besuchen und von dort aus zu den Klöstern Alt- und Neu-Schuamta zu wandern (auf meiner groben Karte sieht das durchführbar aus). Eine Marschrutka nimmt mich von Telawi ein paar Kilometer Richtung Alawerdi mit und setzt mich dort ab, wo eine kleine Seitenstraße nach Ikalto abzweigt. In dieser Straße, kurz vor der Schule, gibt es einen weiteren Winzer, der aber gerade an diesem Tag geschlossen hat. Naja, man soll es auch nicht übertreiben...

Eine Viertelstunde Fußwegs entfernt liegt die Akademie von Ikalto. Sie besteht zum Einen aus einer kleinen Kirche, die von einem im 6. Jahrhundert gegründeten Kloster übriggeblieben ist – zum bedeutenderen Teil aber aus einem Haufen Ruinen, die die Gebäude der Akademie markieren, die im 12. Jahrhundert an der gleichen Stelle gegründet wurde. David der Erbauer, georgischer König, hat hier eine Akademie der Wissenschaften offenbar ganz im Geiste der antiken griechischen Akademien, und sicher auch in Anlehnung an die nahegelegenen persischen Wissenschafts-Hochburgen, gegründet (eine zweite steht in Gelati bei Kutaissi). Mir fällt daran auf, daß dieses Zentrum der Gelehrsamkeit bereits im 12. Jahrhundert entstand – die erste europäische Universität in Bologna wurde erst rund 200 Jahre später gegründet, und in Mitteleuropa wurde antikes Gedankengut in diesen Zeiten als ketzerisch verurteilt. Versprühten die Akademien in Ikalto und Gelati schon zu dieser Zeit einen Funken christlicher Renaissance?

 

In der kleinen Kirche bin ich alleine, also lasse ich am Eingang ein paar Münzen für eine Kerze liegen. Neben der Kirche befindet sich ein sehr idyllisches Fleckchen, eine runde Steinbank, die von mächtigen Zypressen überschattet wird; ein herrlicher Ort für eine besinnliche Pause in der Mittagshitze. Während ich dort sitze, bekomme ich aber doch noch Besuch: der Pope hat wohl bemerkt, daß jemand in der Kirche gewesen ist, und setzt sich zu mir. Scheinbar wird das Kloster öfters von größeren, lärmenden Touristengruppen heimgesucht, und er freut sich, einen einzelnen Besucher zu sehen, der seine Kirche nicht nur fotografieren will. Er erzählt mir auch, daß ein Leben als Priester hier erst seit einigen Jahren wieder möglich ist, vorher hätte man mit Repressalien zu rechnen gehabt. Freundlicherweise erklärt er mir den weiteren Weg Richtung Schuamta – eine Wanderung muß also möglich sein, denn früher seien die Mönche und Nonnen oft mehrmals täglich hin- und hergependelt.

 

Hinter der Akademie steige ich den Hügel hinauf und finde eine schöne Aussicht und den Anschluß an einen guten Waldweg, der sich malerisch auf der anderen Seite in ein Seitental des Alasani hinunterwindet. Ich gehe mehrere Stunden, begegne aber weder irgendjemandem, noch finde ich einen Hinweis auf die Klöster in Schuamta. Solange ich immer noch die Bergkette auf der anderen Seite des Alasani-Tals im Blick habe, kann ich mich auch nicht wirklich verirren; allerdings wird es auch schon später Nachmittag, also entschließe ich mich, nach der Überquerung eines breiten, flachen Bachlaufs einem Wirtschaftsweg in Richtung Telawi zurück zu folgen.

Wieder bedaure ich, daß es nirgendwo eine gute Wanderkarte zu kaufen gibt; meine grobe Straßenkarte reicht für eine Wanderung nicht aus, Wanderführer gibt es nicht, also muß man mehr oder minder orientierungslos den besten Weg einschlagen und hoffen, unterwegs jemanden zu treffen, der weiterhelfen kann. Dabei ist die Landschaft sehr geeignet für Wanderungen.

An einem kurzen, steilen Stück überhole ich einen mittelalterlichen, mit Reisig beladenen Eselskarren, der von einem jungen Kerl angetrieben wird. Unbarmherzig prügelt er den Esel, der sich stur weigert, den Hügel weiter bergauf zu ziehen, laut blökt und darin von seinem Herrn noch übertroffen wird. Mein Mitleid mit dem Esel bringt mich dazu, dem Mann meine Hilfe anzubieten, doch der hat sich in seine Wut hineingesteigert und prügelt lieber weiter den Esel.

Weit kann ich Schuamta nicht verfehlt haben, aber irgendwann treffe ich wieder die Hauptstraße nach Telawi, auf der ich in der milden Abendsonne die nächste Marschrutka abwarte.

 

Abends habe ich noch Gelegenheit, der Großmutter bei der Zubereitung von Chatschapuris (mit Käse gefüllten Fladenbroten) zuzusehen. Heute wird für die nachmittags eingetroffene Gruppe ein größeres Mahl bereitet, das mir wieder einmal die Vielfalt der georgischen Küche vor Augen führt. Es gibt meist nicht ein größeres, sondern eine Menge unterschiedlicher kleinerer Gerichte, sodaß man viel Auswahl hat und von allem etwas probieren kann. Die Küche hat wegen der vielen Gemüsegerichte einen südländischen Einschlag, man erkennt auch gelegentlich die Nähe zu Rußland (z.B. bei der Verwendung der roten Beete), und dann vermute ich, kurioserweise, einen indischen (oder persischen?) Einfluß – in Zutaten (es wird viel mit Bockshornklee gewürzt) wie in Worten: „Masala“ (Gewürzmischung), „Badrijiani“ (Auberginen), „Puri“ (Brot) zum Beispiel kannte ich bisher nur aus der indischen Küche. Ein kultureller Austausch kann früher vielleicht durch die Seidenstraße zustande gekommen sein, die auch durch Georgien führte.

 

Alawerdi und ein musikalisches Gastmahl

 

Nach dem Frühstück – Kascha (Getreidebrei), wie immer, auf meinen eigenen Wunsch, worüber sich meine Gastgeber schon des Öfteren verwundert haben – nehme ich vom Busbahnhof die nächste Marschrutka nach Alawerdi, einer berühmten Kathedrale ein paar Kilometer nördlich von Telawi. Seltsamerweise steht die Kathedrale allein auf weiter, flacher Flur, nicht etwa in einem mittelalterlichen Ortskern, was ihr angemessen wäre. Wie bereits bei anderen Kirchen in Georgien fallen auch mir als Kunstlaien die bewundernswerten Steinmetzarbeiten auf, allerdings bin ich auch zuhause nur ein sehr unregelmäßiger Kirchgänger und interessiere mich wenig für Kirchenkunst und -geschichte, weshalb meine Besichtigung auch bereits nach rund zehn Minuten abgeschlossen ist. Lieber atme ich noch ein wenig den Geist des Ortes, bewundere die Kathedrale von außen und komme mit einem der Händler am Straßenrand ins Gespräch, einem alten Mann, der mir erzählt, daß sein Sohn in der DDR studiert hat.

Da der Tag wieder sehr schön ist und weit und breit kein Bus in Sicht, entschließe ich mich, zurück zu gehen, so weit es eben nötig sein wird. Der Weg führt eine Landstraße entlang durch mehrere Kuhdörfer, in denen die Einwohner einen Sonnenbrillen-tragenden Gringo in kurzen Hosen unschwer als Nicht-Einheimischen erkennen und ihm fragende Blicke nachwerfen. Kurz vor Telawi nimmt mich doch noch ein Bus mit, sodaß ich zur Mittagszeit wieder am Busbahnhof bin.

Um den kleinen Hunger zwischendurch zu bekämpfen, schlendere ich über den Bauernmarkt auf der Suche nach etwas Essbarem. Da ich kein großer Esser bin, genügen mir ein paar Tomaten, Brot, Obst und Kwas (leider nur abgefüllten). Es ist gar nicht so einfach, auf dem Markt so kleine Mengen einzukaufen. Während die westliche Konsumwelt sich auf winzige Single-Portionierung eingestellt hat, werde ich hier von der Gemüseverkäuferin gefragt, wieviele Kilo Tomaten ich denn haben wolle. Als ich zwei Tomaten in die Hand nehme und nach dem Preis frage, winkt sie freundlich ab.

Mit der Beute verziehe ich mich in eine gemütliche Ecke des Stadtparks (in der Nähe des Hauptplatzes) an einen Brunnen. Schon nach kurzer Zeit, während ich gerade beim Schlemmen bin, dringt aus einem Café am Rande des Parks Musik – ein Radio ist es offenbar nicht, dort wird live Musik gemacht und gefeiert! Ich brauche nur einen kurzen, neugierigen Blick durch die geöffnete Café-Tür zu werfen, schon werde ich von einem der Sänger hineingerufen mit der freundlichen Aufforderung: „Komm’ herein, iß mit uns, trink’ mit uns!“. Ich kenne die Leute zwar gar nicht, sage aber trotzdem einmal Guten Tag, denn die Musik, mehrstimmiger Gesang mit der Begleitung zweier Gitarren, klang sehr fröhlich und unterhaltsam. Und ehe ich mich versehe, sitze ich am Tisch, habe einen Teller Chinkali (kunstvoll gefaltete Maultaschen, gefüllt mit gut gewürztem Lammhack) und ein Glas Cognac vor mir, und die Runde stimmt schon ein neues Lied an. Es sind etwa acht Leute, darunter zwei Frauen, von denen eine auch Gitarre spielt (und alle geölte Stimmen haben). Sie spielen, was ihnen gerade einfällt, und haben offensichtlich Freude daran. Ich fühle mich so richtig zuhause, bin aber nicht gut bei Stimme und bedaure, daß ich nicht auch einen Beitrag leisten kann. Noch nicht einmal für den Cognac-Nachschub darf ich sorgen; selbst als ich ihn zur Seite nehme, weigert sich der Wirt beharrlich, irgendeine Bezahlung von mir entgegenzunehmen. Das nenne ich Gastfreundschaft.

 

Nachmittags schaue ich noch einmal beim ‚Limbo’ vorbei, um ein Schwätzchen mit der netten Verkäuferin zu halten und mich von ihr zu verabschieden, denn morgen soll es wieder nach Hause gehen. Sie beabsichtigt, ab nächstem Jahr in München zu studieren, also tauschen wir vorsichtshalber schon einmal Adressen aus.

Nach all der anstrengenden Aktivität (und dem Cognac) gehe ich zurück nach Hause, um ein Mittagsschläfchen zu halten, und erfahre, dass zu Ehren der Touristengruppe, die morgen wieder abreist, abends eine georgische Tafel mit allem drum und dran stattfinden wird, untermalt von einer Musikgruppe. Wenn das kein Zufall ist...

Tatsächlich melden sich gegen Abend meine Freunde aus dem Café an, die hier für eine Touristengruppe spielen wollen und erstaunt sind, mich auch hier zu treffen. Ich habe gar nichts dagegen, mir das Programm noch mal anzuhören, denn es war wirklich gut! Leider fehlt die weibliche Begleitung, es ist nur der männliche Teil des Chors erschienen.

 

Die Tafel abends wirkt zwar reichlich touristisch, denn die Hälfte der Teilnehmer sind deutsche Lehrer-Ehepaare im besten Alter, aber dank der Musik, dem guten Essen und vor allem dem guten Willen, sich gegenseitig zu verstehen, wird es fröhlich und freundlich. Die Deutschen erzählen mir, dass sie in den vergangenen knapp drei Wochen bereits über 40 Kirchen angesehen haben; ich bekunde Respekt für das enorme kunstgeschichtliche Interesse der Gruppe, beabsichtige aber nicht, sie irgendwann darin zu übertreffen. Zugegeben, in Georgien hat man vermutlich häufiger Gelegenheit, interessante Kirchen zu sehen als mancherorts, und auch ich habe schon einige angesehen, finde sie aber eher reizvoll als Ausflugsziele und ihrer oft idyllischen Lage wegen, als aus kunstgeschichtlichem Interesse. Im Mittelalter hatten die georgischen Kirchenbaumeister ein bemerkenswertes Talent für die Anlage ihrer Bauwerke, einige kleine Kirchlein macht die Natur allein durch ihre Lage zu Kathedralen.

Um das Gelage mit dem passenden Lokalkolorit zu untermalen, gibt es auch noch einmal einen richtigen Stromausfall. Das ist gut für die Stimmung, denn beim Schein der Kerzen sieht man weniger, wie schnell sich die Weinflaschen leeren. Aber die E-Werke sind mittlerweile hart im Nehmen, schon nach ein paar Minuten ist der Strom wieder da (wir sind eben doch in Europa, in Südamerika wäre er die ganze Nacht ausgeblieben).

 

Die Musiker spielen erst einmal einige Volkslieder mit Gitarrenbegleitung, geben dann aber noch einmal eine Kostprobe des sehr schönen polyphonen Gesangs, der in Georgien eine besondere Tradition hat. Und zu guter Letzt – in der Absicht, einen Sanges-Wettstreit zu entfesseln – bringt der Wortführer der Gruppe, nach kurzem Tuscheln mit seinen Mitsängern, auch noch eine einwandfreie Rezitation von ‚Auf der schwäbsche Eisebahne’, obwohl er eigentlich gar kein Deutsch versteht. Wo er das gelernt hat? Er habe für eine Zeit in Deutschland gearbeitet, in Biberach.

Ich frage die georgische Reiseleiterin, was die georgischen Namen bedeuten; an fast jedem Namen hängt die Endung ‚-schwili’ oder ‚-dse’ (so wie etwa Dschugaschwili oder Schewardnadse). Sie erklärt mir, dass beides einfach nur ‚Kind von’ bzw. ‚Sohn von’ bedeute und die Nachnamen sich dadurch gebildet haben, dass die Kinder sie von den Eltern erbten und mit der richtigen Endung versahen – so wie auch beim schottischen „Mac“, dem irischen „O’“, dem schwedischen „-sson“ oder dem türkischen „-oglu“. Die ‚-schwilis’ kämen in der Regel aus Ostgeorgien, die ‚-dses’ hingegen aus Westgeorgien. Im Übrigen tragen Männer und Frauen der gleichen Familie den gleichen Namen (anders als etwa im Russischen oder Griechischen).

Später fällt mir ein, dass es noch eine dritte häufige Endung gibt, ‚-ia’ (so wie in Schwania oder Beria). Ich vermute den gleichen Hintergrund, komme aber nicht mehr dazu, danach zu fragen.

 

Zurück nach Tbilissi über Signachi

 

Morgens um acht aufzustehen, wenn es abends zuvor eine Tafel gab, kostet Überwindung. Es hilft nur eiserne Disziplin, denn die Touristengruppe hat mir angeboten, mit ihrem Bus nach Tbilissi zurück zu fahren, sonst hätte ich mit der Marschrutka doch wieder den halben Tag gebraucht.

Das Frühstück zum Abschied dauert aber doch ein bisschen länger, nach einem herzlichen Abschied von Neli und Malchas geht es los. Im Bus erfahre ich, das auch dieser Tag nicht ungenutzt vergehen wird, denn es stehen ja noch diverse Kirchenbesichtigungen auf dem Programm! Ob ich nicht doch lieber die Marschrutka genommen hätte...?

Für den Rückweg nehmen wir die gute Straße über Sighnachi, wo wir den ersten Stopp einlegen. Sighnachi macht einen hübschen, sonnigen Eindruck, von der Altstadt hat man einen fantastischen Ausblick auf die Ebene, durch die der Alasani fließt; nur leider bleibt keine Zeit mehr, etwas davon zu erfahren, denn der Kirchenbesuch und alle Fotostopps (mir wird es langsam peinlich) sind mit preußischer Gründlichkeit organisiert. Angehalten, heraus aus dem Bus, klick, hinein in den Bus, ansehen kann man das derart vergewaltigte Motiv ja auch Zuhause noch.

Die kleine Kirche, die wir ansehen, fällt mir nicht weiter auf; sie wird allerdings gerade restauriert, und die Arbeiter, die gerade Frühstückspause machen, bieten uns in ihrer Gastfreundschaft einen Dschadscha (Tresterschnaps) an. Nach der Supra gestern abend bin ich aber nicht dazu zu bringen, schon morgens wieder mit Alkohol anzufangen.

Zurück in der Altstadt von Tbilissi – die Gruppe konnte sich durch Abstimmung einer weiteren Kirchen­besichtigung widersetzen – bringe ich erst einmal meine Sachen ins Hotel und mache mich dann auf den Weg zum Markt, der sich weit um den Bahnhof ausdehnt. Hier gibt es wirklich alles zu kaufen, nur die schiere Größe hindert mich daran, alles an einem Nachmittag zu durchforsten. Für alles gibt es einen eigenen Abschnitt: CD-ROMs, Lebensmittel, Gemüse, Fleisch, Luxuswaren, Geldwechselstuben, Kräuter und Gewürze sind jeweils zusammengefasst. Einen Geldwechsler, der mich auf eine ziemlich dummdreiste Art betrügen will, strafe ich – mangels Kenntnis geeigneter georgischer Flüche – mit einem derart herablassenden und schäbigen Blick, dass er hoffentlich noch bis zum Jüngsten Gericht daran zurückdenkt.

Der Rustaweli-Prospekt ist der einzige Ort in Georgien, wo ich einen Kwas-Tank auf der Straße gesehen habe. Im Gegensatz zu anderen Ländern der GUS, die ich bisher kennengelernt habe, scheint das gesunde Brotgetränk hier leider nicht zum täglichen Leben zu gehören.

 

Meine Freundin Didari, die als Reiseleiterin arbeitet, hat heute abend selbst noch eine Touristengruppe zu versorgen, deshalb verabreden wir uns für später, und ich suche mir abends noch einen Happen zu Essen in der Altstadt (ziemlich teuer). Auf dem Weg entdecke ich sogar noch ein gutes Weingeschäft mit hervorragender Auswahl, an dem ich unmöglich vorübergehen kann. Hier finden sich auch die mir bereits bekannten Flaschen von Teliani Valley und GWS wieder.

Die Eleganz der Flaschen, das teure Design sind übrigens nicht ganz grundlos: wie in einigen anderen Ländern auch, hat der georgische Weinbau massiv mit Fälschern zu kämpfen, die (in diesem Fall) wohl auf dem russischen Markt operieren und den Hauptabnehmer georgischer Weine mit billigen Fälschungen überschwemmen. Da gesetzliche Maßnahmen bisher nicht den gewünschten Erfolg brachten, hilft nur die Abfüllung in teuren, eleganten Flaschen, die in Italien hergestellt wurden, die Verwendung von portugiesischen Korken und Etiketten im Vierfarbdruck, kurz: teuren, nur mit Aufwand zu fälschenden Materialien, die einen potentiellen Fälscher abschrecken. Das Problem tritt aber offenbar nicht nur in Georgien auf, aus den Medien waren mir auch aus Österreich, Frankreich und Deutschland solche Fälle bekannt; dort reizen die Flaschenpreise ja umso mehr zu Straftaten.

 

Müde komme ich von einer langen Tour zurück, eigentlich bereit, ins Bett zu fallen, aber ich wollte ja mit Didari noch einen trinken gehen, bevor auch ich nach Hause fahren muss! Die bringt gerade die Touristengruppe ins Bett, im Restaurant räumt eine georgische Kapelle die Bühne, also warte ich solange.

Wenn Didari nicht immer solche Einfälle hätte: während ich mich auf einem Treppenabsatz ausruhe und an nichts Böses denke, schaut sie kurz heraus, ruft die Musiker herbei und lässt mir noch ein kleines Privat-Ständchen geben! Mit Zugabe selbstverständlich. Ein schöneres ‚Auf Wiedersehen in Georgien’ hätte ich mir eigentlich nicht wünschen können.

 

 

Links und weitere Informationen

Georgien allgemein

http://www.georgienseite.net (deutschsprachiges Portal)

Unterkunft, Information, Anreise

http://www.erka-news.de (Tbilissi Tourist Centre)

Georgischer Wein

http://www.georgia-gateway.org/wine/index.php3

-- Zur georgischen Weintradition

 

http://www.cerma.ge/reports/WINE%20SECTOR%20OVERVIEW.doc

-- Hintergrund zur Lage der georgischen Weinwirtschaft

 

http://www.wineandvine.ge/usefulllinks.php?lang=en&linkid=11

-- Liste der Websites von Weinproduzenten (darunter die folgenden)

http://www.gws.ge

http://www.satavado.com/

http://www.vaziani.com.ge/ 

http://www.tbilvino.com/ 

http://www.eniseli.ge/ 

http://www.batist.dp.ua/marani.htm 

http://www.rusimport.ru/Talisman.htm 

http://geolinks.virtualave.net/winehouse/ 

http://geolinks.vr9.com/kvareli2/ 

http://duggy2.sanet.ge/wine/ 

http://webcenter.ru/~trialeti/ 

http://www.batist.dp.ua/teliani.htm 

http://georgia-gateway.org/inhabitants/Food/bzvani/index.html 

http://www.savane.ge 

http://www.aroma.ru/site/catalogue/wine/shumi/pro/list_prod 

http://www.mildiani.ge/ 

http://rachuliwine.tbiline.com/rachuligvino.html 

http://www.telianivalley.com/ 

 

http://www.sanet.ge

-- Schön gemachte Übersichtsseite, aber lange nicht mehr aktuell